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Wilhelm Eduard Weber

Quelle: Freiheit vom 23.10.1954  „Aus Stadt und Kreis Wittenberg „Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland ( SED )

Ein Wittenberger baute den ersten elektromagnetischen Telegraphen

Zum 150. Geburtstag von Wilhelm Eduard Weber / Von Heinrich Kühne

Als Ausfallstraße zu den westlichen Industrievororten unserer Lutherstadt durcheilen unsere Werktätigen die Schloßstraße. Niemand achtet besonders auf ein Haus, das in der langen Front der modernen Geschäftsläden steht. Nur wenige Menschen wissen, daß in dem Hause Schloßstraße 10, der "Goldenen Kugel", ein Mann geboren wurde, der zu den bedeutendsten Wissenschaftlern des vergangenen Jahrhunderts gehört und dessen Arbeiten in der ganzen Welt zur Einigung über die elektrischen Maße geführt haben. Hier wurde Wilhelm Weber am 2. Oktober 1804 als Sohn eines Universitätsprofessors geboren. Seine Kindheit fiel gerade in die ereignisreiche Zeit des deutschen Freiheitskampfes gegen das napoleonische Joch. Er erlebte die Schreckensnacht vom 27. zum 28. September 1813. Das Geburtshaus, das dem Professor Dr. Langguth gehörte, brannte zum Teil ab. Ein Augenzeuge, der die Beschießung der sächsischen Festung Wittenberg durch die Preußen miterlebte, schrieb darüber folgendes: ,,So fand ich die ganze Stube voll abgebrannter Personen. Unter diesen befand sich der würdige Professor Dr. Weber mit seiner ganzen Familie. Ihr Schicksal war wirklich beklagenswert, denn sie hatten in dieser Nacht fast alles verloren und waren nun im Begriff, zu Fuß die Stadt zu verlassen. Sie wünschten, nur vorher noch eine Tasse Kaffee zu sich zu nehmen, die ihnen der Wirt mit dem größten Vergnügen reichte, allen standen die Augen voll Tränen über das Schicksal unserer Stadt,,. Die Familie Weber ging zuerst nach Schmiedeberg, wohin sich damals die Wittenberger Hochschule vorübergehend flüchtete, um anschließend endgültig in Halle wieder eine feste Bleibe zu finden. Vielleicht hat dieses schreckliche Ereignis des Krieges den jungen Weber so beeinflußt, daß er in späteren Jahren die Machenschaften des sächsischen Herrschers, die soviel Leid über seine Heimatstadt Wittenberg brachten, erkannte, sich seihe eigenen Gedanken darüber machte und die seine politische Grundhaltung später bestimmten. Denn im Jahre 1837 unterschrieb Wilhelm Weber als Gelehrter und deutscher Patriot gemeinsam mit sechs weiteren Professoren eine Eingabe an den König Ernst August von Hannover. Dieser Herrscher wollte eine Dienst- und Huldigungsreverse sämtlicher Staatsbeamten erzwingen, die das mühsam erkämpfte Landesgrundgesetz von 1833 aufhob und die Konstitution von 1819 wieder bestätigte. In der oben genannten Eingabe verweigerten also die ,,Göttinger Sieben,, die Unterschrift und wurden dadurch ihre Ämter los. Jakob Grimm und Gervinus wurden sogar des Landes verwiesen. Weber wußte genau, was für ihn als Naturforscher auf dem Spiele stand. Gerade als Physiker war er mehr als die anderen an den Besitz eines akademischen Lehrstuhles gebunden. ,,Das ganze Gelingen unserer Wirksamkeit beruht nicht so sicher auf dem wissenschaftlichen Wert unserer Lehren, wie auf unserer persönlichen Unbescholtenheit,,. schrieb damals den mitunterzeichnende Dahlmann. Hier erkennen wir die wahre Persönlichkeit dieses Mannes. Wir verweisen auf das Heft Nr. 10 der Zeitschrift ,,URANIA,, die einen ausführlichen Aufsatz des gleichen Verfassers bringt und als Sonderdruck überall erhältlich ist.) Aber am bekanntesten ist Weber durch die Erfindung des elektromagnetischen Telegraphen geworden. Gauß schreibt unterm 9. August 1834, dass man diese Erfindung Weber zu verdanken hat. Wenn er auch gleichsam die erste Masche am weltumspannenden Telegraphennetz knüpfte, so ist doch der Wert seiner wissenschaftlichen Arbeit damit keineswegs erschöpfend genannt. Seine elektrodynamischen Maßbestimmungen machten ihn in der wissenschaftlichen Welt berühmt. Er stellte ein allgemeines Grundgesetz der elektrischen Wirkung auf, das nach Ihm benannt wurde. Allerdings hat Maxwell durch weitere Forschungen es später als unrichtig erkannt. Aber sein. Maßsystem wurde auf dem Internationalen Kongreß in Paris 1881 bis auf unwesentliche Abänderungen übernommen und die absolute Einheit der Stromstärke nach ihm "Weber" genannt.